kyraspieker.de


Kyra Portrt swDie Bildhauerin und Keramikerin Kyra Spieker arbeitet mit Porzellan, Edelstahl, Papieren und – Licht.
Angeregt durch einen Arbeitsaufenthalt in Lappland entstand im Jahr 2010 eine Reihe von Collagen, die ihre Eindrücke der extremen Licht- und Wetterbedingungen im Norden Finnlands reflektiert. Tage mit weniger als vier Stunden Sonnenlicht, langen Dämmerphasen und Dauerschnee bei Temperaturen um -30° Celsius lenkten den Blick der Künstlerin auf kleinste Veränderungen in der Natur. Sie wurde zum „Spurenleser und Lichtspezialisten“ und zeigte sich tief beruührt durch „die Stille, das Weiß, die Pastelltöne am Himmel, die Dämmerungen und das begehbare Wasser“.

So überrascht es nicht, dass in den aktuellen Collagen grau und weiß einmal mehr die bestimmenden Töne sind. In Wellenform geschnittene Bahnen aus Transparentpapier und Karton werden gefalzt und lose übereinandergelegt. Die im Auf und Ab des Papiers entstehenden Licht- und Schattenpartien bilden ein feines Spiel von hellen und dunklen Passagen, von matten und glänzenden Oberflächen. In feinen, pastellfarbenen Buntstift-Zeichnungen auf dem Transparentpapier nimmt die Künstlerin die gleichmäßige Wellenform der Papierstreifen noch einmal auf, doch diesmal durchtrennt sie die Linien und lässt sie bei der Anordnung gegeneinander laufen. Was bleibt, ist die Vermutung einer Form, die sich nur im Gedankenspiel bestätigen lässt. Die Idee, dass noch etwas anderes dahinter stecken könnte, begegnet uns auch in den feinen Schrift-Zeichen auf dem Karton. Was auf den ersten Blick wie ein Ornament erscheint, offenbart sich beim zweiten Hinsehen als mehrfach übereinander geschriebenes Wort, dessen Bedeutung im Ungewissen bleibt. Kyra Spieker löst das Rätsel durch bildhafte Titel, in denen sie ihreEindrücke in Lappland in Erinnerung ruft: „Weiße Stille“, „Eisklang“.

Ihre Arbeiten lassen sich zwischen gegensätzlichen Polen verorten:
Sachlichkeit und Poesie, geometrische Ordnung und Variabilität, Architektur und Landschaft. Für die Bildhauerin, die 1957 geboren und in Marburg  in einer Architektenfamilie aufgewachsen ist, waren der Umgang mit Raum und Geometrie stets wichtige Bezugspunkte. Aber auch die Landschaft des Mittelrheintals mit ihren geschwungenen Flussläufen hat sie geprägt.
Nach dem Studium an der Fachschule für Keramikgestaltung bleibt sie in Höhr-Grenzhausen und führt seit 1984 ihr eigenes Atelier. Es folgen ein siebenjähriger Lehrauftrag an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. 1999 schließt sie ihr Studium im Fachbereich Bildende Kunst an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz bei Professor Volker Ellwanger ab. Seit zwanzig Jahren ist sie Mitglied der Académie Internationale de la Céramique, Genf.

Für Kyra Spieker bildet der Umgang mit Papier seit langem eine wichtige Basis für ihr plastisches Schaffen. So haben die weißen Porzellanwürfel, die ein Grundelement zahlreicher Werke sind, ihren Ursprung in der Fläche. Wellenförmige Papierbahnen werden zu Würfel-Modulen mit geschwungenen Ober- und Unterkanten und quadratischem Grundriss gefaltet und von der Künstlerin zu kleineren und größeren Einheiten zusammengestellt. Durch Variation einer Grundform entstehen dabei immer wieder neue, zum Teil komplexe Konstruktionen, die trotz ihrer geometrischen Strenge stets lebendig bleiben, rhythmisch bewegt im Spiel des Lichts auf der Oberfläche und im Wechsel von geraden und geschwungenen Linien und Flächen.

Kyra Spieker ist fasziniert von der Idee, dass – im Leben wie in der Kunst – alles immer auch ganz anders sein könnte. Diese Offenheit spiegelt sich einmal mehr in ihren neuen Collagen. (In Anlehnung an den Text von Kerstin Weber, August 2011)

Auszeichnungen (Auswahl)
1978  R.Bampi-Preis, 2. Preis,
1989  Künstlerhaus Edenkoben, Stipendium des Kultusministeriums RLP
1990  Lincoln-Stipendium des Kultusministeriums RLP
1998  Burgund-Stipendium des Kultusministeriums RLP

Einzelausstellungen (Auswahl)
1999 Mainz, Abgeordnetenhaus
2002 Mönchengladbach, Galerie Barthels
         Neumünster, Galerie im Fürsthof
2006 Marburg, Marburger Universitätsmuseum
2007 Windesheim, OrgelArtMuseum
2008 Düsseldorf, Hetjens-Museum
2009 Konz, Kloster Karthaus
         Gelsenkirchen, Galerie Idelmann

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
1987 Faenza, (IT), „Ausstellung der Nationen – Deutsche Keramiker“
1989 Tokyo, Kyoto, (JP), Seoul (Korea), Goethe Institut, „Junge Deutsche Keramik –Werkstattgruppe Hillscheid“
1993 Höhr-Grenzhausen, Keramikmuseum Westerwald,
          Leeuwarden, Mulhouse, Gudhjem, „Keramik Europas“
2001 Seoul, „World Ceramic Exposition Korea”
2000-2002 Tokyo, Seto, Shigaraki, Ebetsu, Hagi, (JP), Frechen, Halle,
        „Deutsche Keramik 1900-2000“
2006 Tegelen, Keramikcentrum „Puur Klei“
2007 Leeuwarden, „Mathematical Ceramics“
2009 Höhr-Grenzhausen, Keramik Europas, Westerwaldpreis

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)
Coburg | Kunstsammlungen der Veste
Genf (CH) | Museum Ariana
Ichon (Korea) | World Ceramic Center
Saga (JP) | Art Museum
Marburg | Universitätsmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Düsseldorf,
Hetjens-Museum